Gesundheit/Behinderte:
Ärztetagung will für Bedürfnisse von Behinderten sensibilisieren, 09.12.2006
Bad Nauheim (dpa/lhe) - Die gesundheitliche Versorgung
von Behinderten in
Hessen ist nach Ansicht von Betroffen und Ärztevertretern verbesserungsbedürftig.
"Klar ist: Es kann sich kein Arzt zu 100 Prozent auf alle Behinderungen
einstellen", sagte die Leiterin des Hessischen Koordinationsbüros
für behinderte Frauen, Rita Schroll, am Samstag der dpa. Doch viele
Ärzte seien nach ihren Erkenntnissen im Umgang mit Behinderten "völlig
hilflos", etwa wenn es um die Behandlung von behinderten Frauen gehe,
die Opfer sexueller Gewalt geworden sind.
Das Problem war eines der Themen der Fachtagung "Die gesundheitliche
Versorgung von Frauen mit Behinderung" am Samstag in Bad Nauheim,
zu der das hessische Sozialministerium und Ärztevereinigungen eingeladen hatten.
"Ärzte
dürfen unsicher sein, keiner kann alles wissen, aber sie sollen sensibilisiert
werden", sagte Schroll. Nach ihren Angaben leben in Hessen allein
300 000 Frauen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen.
Eine am Samstag vorgestellte Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung
Hessen unter allen 10 000 niedergelassenen Medizinern und 2000 Psychotherapeuten
im Land bestätigte die Einschätzungen vieler Betroffener: Ein
Drittel der Praxen ist bislang beispielsweise überhaupt nicht auf
Rollstuhlfahrer eingestellt. Ein weiteres Drittel konnte zumindest auf
eine Rampe oder eine Hebebühne verweisen, nur 38 Prozent haben bereits
ein umfassendes Angebot für Rollstuhlfahrer - auch inklusive
Behinderten-Toilette. Umfassendes Informationsmaterial für Blinde
gibt es bislang nur in 1 Prozent aller hessischen Arztpraxen, 29 Prozent
bieten immerhin einige Broschüren in vergrößerter Schrift
oder in Brailleschrift für Sehbehinderte an. An der Erhebung beteiligten
sich bislang gut 2000 der 12 000 Angeschriebenen.
Schroll betonte: "Unsere Forderung ist nicht, dass jede Praxis beispielsweise
einen barrierefreien Behandlungsstuhl hat." Oft fehle es in den Praxen
schon an Zeit, angemessen auf Behinderte einzugehen und sie möglicherweise
an einen besser ausgestatteten Kollegen zu vermitteln.
Schroll sieht aber auch die Politik in der Pflicht: "Es müssen
Möglichkeiten für Finanzierungshilfen zur Schaffung barrierefreier
Praxen gefunden werden."
Internet:
www.fab-kassel.de
Hessisches Koordinationsbüro für behinderte Frauen
dpa jb yyhe löb
09. Dez. 2006
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