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Grafik: Hessisches Netzwerk behinderter Frauen Frauen müssen lernen Netzwerke zu bilden

Gesellschaft: Seminar beklagt weibliche Zurückhaltung beim Umgang mit
der Macht

Rita Schroll hat einen Bruder. Als der in den Kindergarten kam, wollte sie das auch. Aber sie war blind. Erst traute sie sich nicht, zu fragen. Dann überwand sie sich - und durfte tatsächlich hin. Damals hat sie etwas Wichtiges für das Leben gelernt: "Wer nicht fragt, bekommt nichts." Mittlerweile ist Rita Schroll Diplom-Sozialarbeiterin und leitet das Büro des Hessischen Netzwerkes von Frauen mit Behinderung in Kassel. Sie war eine der Referentinnen des Seminars "Der weibliche Umgang mit Macht" im Offenen Haus in der Rheinstraße.

Wenn es um Frauen und Macht geht, reden alle von der Kanzlerin. "Das liegt daran, dass Macht und Einfluss immer noch Männerdomänen sind", sagt die Theologin Barbara Sylla-Belok. Sie erzählt von jungen Männern, die sich ganz selbstverständlich von ihren Frauen bei der Karriere unterstützen lassen. Die Frauen wollten weder Kinder noch Hausarbeit vernachlässigen. An eine Karriere sei da kaum zu denken.

Gesetzliche Regelungen seien zwar wichtig, aber Gleichberechtigung müsse in den Köpfen beginnen. Erstaunlich oft pflegten die Männer auch heute noch ein traditionelles Familienbild, und viele Frauen glaubten deshalb, dass Männer so etwas wie einen Machtinstinkt hätten.

"Das Arbeitsrecht geht vom so genannten Normalfall aus", erläutert die Limburger Juristin Elisabeth Knossalla, "dieser Fall sagt: Ein Mann wird in einem bestimmten Bereich ausgebildet und übt den Beruf sein ganzes Leben lang aus." Das treffe zwar oft nicht mehr zu - für Frauen mit ihren gebrochenen Biographien habe es aber noch nie gestimmt. Deshalb müssten Mitarbeiterinnen nach einer Familienphase leichter wieder in das Berufsleben einsteigen können.

"Um Machtstrukturen zu verändern, müssen wir zunächst erkennen, wie sie funktionieren", davon ist die Darmstädter Frauenbeauftragte Sabine Eller überzeugt.
Damit meint sie vor allem die Netzwerke, mit denen sich Männer gegenseitig den Aufstieg ermöglichen. "Schon im Kindergarten lernen Jungs zu kooperieren", erklärt Barbara Sylla-Belok, "Frauen müssen begreifen, dass sie ebenfalls enger zusammen arbeiten müssen."

"Frauen mit Handicap sind doppelt benachteiligt", erklärt Rita Schroll. "Zuerst kommen Männer, dann Frauen, dann behinderte Männer, erst danach die Frauen mit Behinderung." Das liege an einem Mangel an Zutrauen. Der Griff nach der Macht beginne mit einem einfachen, aber selbstbewussten "Du kannst das."

Das Büro für Staatsbürgerliche Frauenarbeit in Wiesbaden hat ein Programm mit Seminaren und Workshops. Es kann angefordert werden unter Telefon 0611 157860 oder im Internet unter www.buero-f.de. Das Hessische Netzwerk behinderter Frauen ist zu erreichen unter Telefon 0561 7288522 oder im Internet unter www.fab-kassel.de.

Von Marc Mandel