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Grafik: Hessisches Netzwerk behinderter Frauen „Sexuelle Gewalt in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung verhindern“
Sozialminister Stefan Grüttner fordert Kultur des Hinschauens und Ansprechens

Wiesbaden. Der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner wirbt für ein gesellschaftliches Klima, in dem sexuelle Gewalt gegenüber Menschen mit Behinderung nicht tabuisiert wird. „Die Kultur des Wegschauens oder Verschweigens muss von einer Kultur des Hinschauens und Ansprechens abgelöst werden“, erklärte Grüttner heute im Rahmen der Tagung „Verhinderung sexueller Gewalt in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung“, die das Hessische Sozialministerium, das Hessische Kultusministerium, der Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Menschen mit Behinderungen, das Hessische Netzwerk behinderter Frauen, die Landesarbeitsgemeinschaft Wohnen für behinderte Menschen e.V. und die Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen in Wiesbaden veranstalteten.

Nach einer Untersuchung im Jahre 2007 gehe das Europäische Parlament davon aus, dass nahezu 80 Prozent der Frauen und Mädchen mit Behinderungen Opfer von physischer und psychischer Gewalt werden, berichtete der Sozialminister. Ebenso seien Frauen und Mädchen mit Behinderung in höherem Maße als andere Frauen der Gefahr von sexueller Gewalt ausgesetzt. Der Verein gegen sexuellen Missbrauch „Wildwasser“ habe Frauen und Mädchen mit unterschiedlichen Behinderungen befragt: 64 Prozent gaben an, sexuelle Gewalt erlebt zu haben, 41 Prozent sogar mehrfach. „Das sind erschreckende Tatsachen. Hier darf die Politik, hier darf die Gesellschaft nicht wegsehen“, betonte Stefan Grüttner. Er nahm auch die Leiterinnen und Leiter der Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in die Pflicht: „Der Schutz der ihnen anvertrauten Menschen mit Behinderung muss Chefsache sein. Ich sehe die Leiterinnen und Leiter dieser Einrichtungen in der persönlichen und moralischen Verantwortung, sich dieses Themas anzunehmen. Auch ich als Hessischer Sozialminister werde mich dieser Verantwortung nicht entziehen. Menschen mit Behinderung sollen nicht länger durch sexuelle Übergriffe doppeltes Unrecht erfahren: durch die sexuelle Gewalt selbst und danach durch fehlende Hilfe oder Unterstützung.“

Die Tagung, in deren Rahmen Experten und Expertinnen über die Bedeutung der Sexualaufklärung, über das Erlangen von Selbstsicherheit durch Training, über erforderliche Fortbildungskonzepte und Dienstvereinbarungen informierten, solle erste konkrete Lösungsansätze vorstellen, um Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sexuelle Gewalt in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Zukunft reduziert und am besten ganz verhindert wird. „Potenziellen Tätern oder Täterinnen soll es erschwert werden, übergriffig zu werden“, so der Sozialminister.

Presseinformation: Wiesbaden, 08. Oktober 2010