Pressearchiv 2003
EPD-Meldung vom 04.09.03
Heidi Hamdad
Koordinationsbüro für behinderte Frauen /
Zur zehn Jahres-Feier deutet Sozialministerin Finanzkürzungen an
Kassel (epd) - Am Tag der Veröffentlichung von Ministerpräsident Roland Kochs Milliarden-Sparprogramm für Hessen hat das Koordinationsbüro für behinderte Frauen in Kassel am Mittwoch sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Deshalb erwarteten die rund 50 Festgäste in Kassel auch mit Spannung das Grußwort der hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) in der Erwartung, sie würde sich zu den Plänen äußern. Lautenschläger versicherte, dass das Koordinationsbüro weiterhin mit der finanziellen Unterstützung des Landes rechnen könne. Allerdings deutete sie Mittelkürzungen an: "Ich hoffe, dass Sie Ihre Arbeit fortsetzen können", sagte sie. Das Hessische Sozialministerium gewährt dem Büro im laufenden Jahr einen Zuschuss von 45.000 Euro, weitere Mittel stammen vom Träger der Einrichtung, dem Verein für die Autonomie Behinderter (fab) in Kassel.
Die Gründung des bundesweit ersten Koordinierungsstelle 1993 als Informationszentrum und Anlaufpunkt für behinderte Frauen, Institutionen, Organisationen und politische Gruppierungen ging wesentlich zurück auf die Initiative der damaligen hessischen Sozialministerin Heide Pfarr (SPD). Nach dem Kasseler Vorbild entstanden später auch in anderen Bundesländern ähnliche Einrichtungen. Gegenwärtig arbeiten Koordinationsbüros für behinderte Frauen in zwölf der 17 Bundesländer, die Vorbereitungen für weitere laufen derzeit in Baden-Württemberg und in Sachsen-Anhalt. Heute vertritt die Einrichtung in Kassel die Interessen von rund 300.000 behinderten Frauen in Hessen.
Bundesweit einmalig ist noch immer das 1993 eingerichtete Archiv mit mehr als 950 Artikeln und Bücher zum Thema "Frauen mit Behinderung", das unter anderem eine Bibliographie mit dem Titel "Literatur von, für, über Frauen mit Behinderungen" herausgibt. Daneben veröffentlicht das Koordininationsbüro Informationsmaterialien für behinderte Frauen und hat eine Kartei über hessische Therapeutinnen, die barrierefrei erreichbar sind, erstellt. Seminare, Weiterbildungsveranstaltungen und Tagungen, die Beratung von behinderten Frauen und Initiativen sowie die Forschungsarbeit gehören außerdem zum Programm des Büros, das seit April dieses Jahres von der Diplom-Sozialarbeiterin Rita Schroll geleitet wird (HH).
nach oben