Pressearchiv 2009
Gewalt an Behinderten
Obwohl Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen mit Behinderung
zunehmend öffentliche Beachtung erfährt, fehlt den Betroffenen
oft der Mut und eine Lobby, um sich aus oft verheerenden Situationen zu
befreien. Das Hessische Koordinationsbüro für behinderte Frauen
und das Hessische Netzwerk behinderter Frauen sind landesweite Anlaufstellen
und halten eine Vielzahl von Angeboten für Mädchen und Frauen
mit Behinderung, sowie für Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen
bereit.
Frau Schroll, wie viele Frauen erleben häusliche Gewalt?
Rita Schroll: Derzeit existieren für Deutschland noch keine repräsentativen
Studien. Doch zeigen Untersuchungen in anderen Ländern, dass mindestens
jede dritte Frau mit Behinderung sexualisierte Gewalt erlebt hat. Nach
UNO-Angaben sind behinderte Frauen und Mädchen etwa doppelt so häufig
von sexueller Gewalt betroffen wie Mädchen und Frauen ohne Behinderung.
Die Täter kommen häufig aus dem sozialen Nahraum der betroffenen
Mädchen und Frauen mit Behinderung.
Denken Sie, dass gerade hier auch die Hemmschwelle liegt und viele Opfer
schweigen?
Schroll: Viele Betroffene schweigen, weil sie in einem Abhängigkeitsverhältnis
zum Täter stehen, oder weil sie keine Möglichkeit sehen, die
gewalttätige Situation zu beenden. Denn Mädchen und Frauen mit
Behinderung haben oft nicht gelernt, sich zu behaupten und zu wehren.
Deshalb ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit, zum Beispiel durch unterschiedliche
Seminarangebote, Mädchen und Frauen mit Behinderung ihre Stärken
bewusst zu machen.
Was raten Sie diesen Frauen?
Schroll: Nicht länger zu schweigen, sondern sich – zum Beispiel
beim hessischen Koordinationsbüro für behinderte Frauen –
Hilfe und Unterstützung zu holen. (mls)

Hintergrund
Beratungsstelle für behinderte Frauen
Als erste Interessenvertretung für Frauen mit Behinderung in Deutschland
gründeten 1992 behinderte Frauen aus Hessen das „Hessische
Netzwerk behinderter Frauen“.
Zu den Schwerpunkten gehören neben Kursen zur Gewaltprävention
auch zahlreiche andere Unterstützungsmöglichkeiten für
Mädchen und Frauen mit Behinderung, die Gewalt erfahren haben. (mls)
Kontakt: Hessisches Netzwerk behinderter Frauen, Leiterin Rita Schroll.
Kölnische Straße 99, 34119 Kassel. Telefon unter: 0561/ 728
85 22. Email: hessisches_netzwerk@fab-kassel.de
Quelle: HNA
25.11.2009
nach
oben