Hessisches Koordinationsbüro
für behinderte Frauen

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Befragung von Menschen mit Behinderung nach Ihren Erfahrungen in Rehakliniken
1. Name und Anschrift der Rehaklinik?
Hardtwaldklinik I Werner Wicker KG
Hardtstraße 31
34596 Bad Zwesten
Tel.: 0 56 26 / 87 - 0
Fax: 0 56 26 / 87 - 9 00
E-Mail: info@hardtwaldklinik1.de
Internet: www.hardtwaldklinik1.de
Aufnahmebüro in der Hardtwaldklinik I
Frau Müller 0 56 26 / 87 - 9 52
Frau Lohr 0 56 26 / 87 - 9 84
Frau Lautenbach 0 56 26 / 87 - 9 52
2. Indikationsdiagnose?
Die Klinik bietet umfassende neurologische und psychische
sowie psychosomatische Rehabilitation in den Phasen A-D
an. Es steht auch eine neurologische Akutstation zur Ver-
fügung. Diagnostik ist umfassend und schliesst auch
Röntgen,
MRT, CT, innere Medizin, sowie Mammographie ein. Die
Klinik ist wie ein Krankenhaus ausgestattet. Bei mir speziell:
Zustand nach Shuntimplantation Neurologische Rehabilitation,
Pseudotumor cerebri.
3. Was ist der Schwerpunkt der Therapie, wie das
Behandlungskonzept: ganzheitlich, spiritueller Ansatz
(z.B. Meditation) etc.?
Schulmedizinischer Ansatz viel Physiotherapie, aber auch
Psychotherapie insofern ganzheitlich als sich um Körper
und
Seele gleichermaßen gekümmert wird. Die Klinik ist aber
ausdrücklich schulmedizinisch.
4. War die Beratung vor dem Klinikaufenthalt zufrieden
stellend, freundlich, zugewandt, verständnisvoll, etc.?
Da es sehr schnell ging, war die Beratung eher kurz. Sie
war
aber freundlich und insofern umfassend, als ich relativ
schnell
alles wusste, was wichtig war. Bei Problemen und Fragen
waren sie sehr nett und bemüht alles zur Zufriedenheit zu
lösen.
5. Welche Behinderung haben Sie?
Blind, Hörbehindert, gehbehindert, Posttraumatische
Belastungsstörung, chronische Schmerzen, Pseudotumor
cerebri.
6. Benutzten Sie z.B. einen Rollstuhl oder andere
Hilfsmittel?
Ich bin mit Rollator angereist. Die Klinik ist komplett
Barriere-
frei. Nach einigen Tagen habe ich den Rollator allerdings
stehen lassen. Und bin so herumgelaufen.
7. Wenn aufgrund der Behinderung zusätzliche
persönliche Hilfen notwendig waren, gab es hier
Unterstützung von der Rehaklinik?
Ja. Sie wurde mir auch angeboten. So habe ich z. B. den
Therapieplan groß aufgemalt bekommen, es gab ein
Blumenbild an meiner Zimmertür, damit ich mein Zimmer
finde, und mir wurde auch Assistenz bei der Pflege etc.
angeboten für den Fall, dass ich mich nach der OP noch
eingeschränkt fühlen sollte. Beim Essen wurde ich am Buffett
bedient. Allerdings wurde mir nicht immer erzählt, was es
gab.
Ich musste meine Tischgenossinnen fragen bzw. immer wieder
Information einfordern. War aber ansonsten kein Problem.
Wenn frau gefragt hat, haben sie immer getan was sie
konnten.
8. Wenn Sie Hilfe bei der Intimpflege durch das Klinik-
personal benötigten, konnten Sie das Geschlecht der
ausführenden Person bestimmen?
Das wäre hier nicht notwendig gewesen, da es auf meiner
Station nur Schwestern gab. Ich habe aber vorher gesagt,
dass ich gerne hätte, dass ich nur von Frauen behandelt
werden möchte, wenn es um körperliche Dinge ging. Das war
auch kein Problem.
9. Gab es Einschränkungen in der Reha aufgrund der
vorhandenen Behinderung? Wenn ja, welche?
Mobilitätseinschränkungen. Wenn ich die Klinik verlassen
wollte, war ich auf Begleitung angewiesen. Manchmal sind die
MitpatientInnen ohne mich losgegangen und ich saß fest.
Grundsätzlich gab es aber für schwererbehinderte Personen
regelmäßige Ausflugsfahrten, Stadt- und Einkaufsfahrten. Da
meine OP noch sehr frisch war, habe ich das eher nicht
genutzt. Das hätte ich aber können.
10. Gab es in der Klinik zusätzliche Serviceangebote für
Menschen mit Behinderung? Z.B. Hilfe bei der
Orientierung in der Klinik und im Kurort.
In der Klinik gab es eine PatientInnenversammlung pro
Station. Bei solchen Dingen haben die MitpatientInnen
problemlos geholfen. In den ersten Tagen, und wenn es nötig
war, hat mich eine Schwester oder der Stationszivi durchs
Haus begleitet. Eine extra Einrichtung hierfür gibt es
allerdings nicht.
11. Konnten Sie die Freizeitangebote der Klinik nutzen?
Da ich mich oft nicht sehr wohlgefühlt habe, habe ich das
eher nicht getan. Grundsätzlich wurde aber viel geboten und
es gab Bastelangebote, kulturelles und natürlich eine
Sternwarte, was mich besonders gefreut hat. Das Angebot
ist gut.
12. Wie verhält sich die Klinik gegenüber eventuellen
Begleitpersonen? Kooperativ, was Unterbringung
und Finanzierung anbelangt oder ablehnend,
bzw.
abweisend?
MitpatientInnen sind teilweise mit EhepartnerIn oder engen
FreundInnen dort gewesen. Hab ich aber nur am Rande
mitbekommen.
13. Falls Sie einen Blindenführhund haben, darf dieser
mitgebracht werden? Wenn ja, entstehen zusätzliche
Kosten? In welcher Höhe?
Da das derzeit bei mir nicht der Fall ist, habe ich das nicht
abgefragt. Ich erinnere mich aber, dass ich vor einigen
Jahren mal dort angefragt habe und von dort ein “nein” zum
Führhund kam. Da es aber auf dem Gelände zwei Kliniken
gibt, weiss ich nicht, wie sich die HWKI dazu verhalten
würde. Es wäre eine Anfrage wert. Da sie auch Rollstuhl-
zimmer ohne Teppich haben, sollte das eigentlich kein
Problem sein. Es gibt viel grün und Wald drum herum, so
dass der Hund in der Nähe Auslauf- und Lösemöglichkeiten
finden würde.
14. Falls Sie aufgrund Ihrer Hörbehinderung eine/n
DolmetscherIn benötigen, entstehen für
Sie
zusätzliche Kosten? Wenn, in welcher Höhe?
Wird eine Kostenübernahme von anderen
Stellen
übernommen?
Trifft auf mich nicht zu.
15. Waren alle Bereiche der Klinik für Sie trotz Ihrer
Behinderung zugänglich und nutzbar? Wenn
nein,
welche Barrieren gab es?
Alle Bereiche waren gut zugänglich mit Rollator und auch
ohne. Allerdings dauerte es immer ewig, bis die Aufzüge da
waren. Ein Aufzug war auch kaputt, was zu Stausituationen
und Überfüllung im Aufzug führte. Auch gingen die Türen
immer zu schnell zu, so dass mancher es nicht mehr
rechtzeitig geschafft hat, wenn jemand langsamer war.
16. Gibt es weitere Erfahrungen, die Sie anderen
PatientInnen mit Behinderung mitteilen möchten?
Bei allem Lob, ist es doch eine typische Institution. D.h. es
gibt ein wenig das Recht der Stärkeren. Wer sich artikulieren
kann, oder sich weitestgehend selbst helfen kann, z. B. beim
Essen, der kommt gut durch. Alle anderen bekommen zwar
auch nette Hilfe, aber es reduziert sich doch ein wenig auf
Massenabfertigung. Die Klinik ist relativ
groß.
Im Umgang mit Behinderung allgemein haben aber alle viel
Erfahrung und sie geben sich wirklich viel Mühe. Es bleibt
aber eine Institution mit all ihren Ritualen und hier und da
auch festgefahrenen Abläufen und Ansichten. Bei Termin-
problemen z. B. war immer der Computer schuld und die
Klinik war in der Termineinteilung sehr unflexibel. Wenn beim
Essen etwa schieflief, dann hatte grundsätzlich die Kollegin
ihre Brille vergessen. Es gab zwei Termine für die Stern-
warte. Einen für allgemeine Kurgäste aus dem Ort und einen
für die HWKI-PatientInnen. Der Termin für die Kurgäste ist
fast immer ausgefallen, bzw. war nur spärlich besucht. Der
Termin für die PatientInnen der HWK I war immer überfüllt.
Den Termin für andere Kurgäste durften die HWK-Patient-
Innen aber nicht mitnutzen. Eine Begründung warum gab es
nicht. Als ich mal kurzfristig eine Untersuchung hatte und
deswegen nicht zum Mittagessen gehen konnte, habe ich
den Schwestern Bescheid gesagt, die mich aber nicht
abgemeldet hatten. Den Anschiss habe ich, als schwächstes
Glied in der Kette, natürlich voll und stellvertretend für alle
Anderen, die das öfter machen, kassiert. Diese Liste ließe
sich fortführen. Wie gesagt, es ist eben eine Großeinrichtung
mit vielen Möglichkeiten aber auch mit Fragwürdigem.
Wir weisen darauf hin, dass die Ergebnisse unserer Befragung auf den
subjektiven Erfahrungen von einzelnen BesucherInnen der entsprechenden Klinik beruhen.
Die Antworten der TeilnehmerInnen an unserer Befragung wurden anonymisiert und ohne redaktionelle Bearbeitung veröffentlicht.
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