Pressearchiv 2003
Oberhessische Presse vom 10.11.2003
Literarisches über Krieg und Frieden
Lesung im Historischen Rathaussaal
Von Sylvia Krause
Marburg.
Im Historischen Rathaussaal lasen Marburger Texte von Frauen zum Thema „Krieg und Frieden“.
Frauen hätten schon immer Stellung bezogen gegen Krieg und Gewalt, sagte Dr. Marlis Sewering-Wollanek, Vorsitzende der Gleichstellungskommission. Als Beitrag zum Internationalen Tag „Keine Gewalt gegen Frauen“, der am 25. November stattfindet, lasen 21 Marburger Bürgerinnen und Bürger aus selbst gewählten Texten. Die Lesenden kamen aus unterschiedlichen Berufen und Gruppierungen, so dass auch die vorgetragenen Texte höchst unterschiedlich waren. Sie reichten von Briefen und Kommentaren bis zu persönlichen Erinnerungen, Gedichten oder Gebeten, mit denen sich die Vorleser auseinander gesetzt hatten und den rund 40 Zuhörern vortrugen. Die Universitätsprofessorin Marita Metz-Becker las aus einem rund 200 Jahre alten Brief, in dem Johanna Schopenhauer die Greuel der Plünderungen nach der Schlacht von Jena und Auerstedt (1806) beschreibt und von den Schicksalen von Nachbarn und Freunden berichtet.
Anna Kahl vom Weltladen las aus einem Kommentar von Bertha von Suttner zum Testament ihres Freundes Alfred Nobel. Die Einrichtung einer Stiftung, die jedes Jahr einen für den Frieden engagierten Menschen auszeichnen soll, sei ein „hochbedeutendes Ereignis der Friedensbewegung“.
Die meisten der vorgetragenen Texte waren literarischer Art, es waren aber auch weniger bekannte Autorinnen dabei. Rita Schroll, Leiterin des Hessischen Koordinationsbüros für behinderte Frauen, las zwei Texte von sehbehinderten Frauen über Zwangssterilisationen währen der Nazi-Zeit vor.
Studienrätin Gabriele Schreder las drei Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger vor, die 18-jährig in einem polnischen Arbeitslager starb.
So unterschiedlich die Texte etwa der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich, von Mutter Theresa, der israelischen Präsidentengattin Lea Rabin oder der Schriftstellerin Virginia Wolf auch waren, so hatten sie doch alle die Ablehnung von Gewalt und Krieg gemeinsam.