Hessisches Koordinationsbüro für behinderte Frauen
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Grafik: Schriftzug mit Logo Hessisches Koordinationsbüro für behinderte Frauen

Grafik: Hessisches Koordinationsbüro für behinderte Frauen Befragung von Menschen mit Behinderung nach Ihren Erfahrungen in Rehakliniken



1. Name und Anschrift der Rehaklinik?

    Segeberger Kliniken GmbH
    Am Kurpark 1
    23795 Bad Segeberg

    Tel.: 0 45 51 / 802 - 0
    Fax: 0 45 51 / 802 - 4995
    E-Mail: info@segebergerkliniken.de
    Internet: www.segebergerkliniken.de


2. Indikationsdiagnose?

    Herzoperation.


3. Was ist der Schwerpunkt der Therapie, wie das
    Behandlungskonzept: ganzheitlich, spiritueller Ansatz
    (z.B. Meditation) etc.?


    Physiotherapeutische Maßnahmen.


4. War die Beratung vor dem Klinikaufenthalt zufrieden
    stellend, freundlich, zugewandt, verständnisvoll, etc.?


    Die Beratung beschränkte sich im Wesentlichen auf die
    Organisation des Aufenthaltsbeginns.


5. Welche Behinderung haben Sie?

    Beidseitige Erblindung.


6. Benutzten Sie z.B. einen Rollstuhl oder andere
    Hilfsmittel?


    Ausschließlich Langstock oder/und Begleitung.


7. Wenn aufgrund der Behinderung zusätzliche
    persönliche Hilfen notwendig waren, gab es hier
    Unterstützung von der Rehaklinik?


    Ja, wenn auch auf Voranfrage dies nicht in Aussicht gestellt
    wurde. In meinem Fall stand auf Anfrage (in wenigen Fällen)
    ein Zivildienstleistender bzw. eine Schwester zur Verfügung.


8. Wenn Sie Hilfe bei der Intimpflege durch das Klinik-
    personal benötigten, konnten Sie das Geschlecht der
    ausführenden Person bestimmen?


    Keine Erfahrung.


9. Gab es Einschränkungen in der Reha aufgrund der
    vorhandenen Behinderung? Wenn ja, welche?


    - In der Gymnastiktherapie gab es verschiedene Leistungs-
   gruppen (post operativer Patient (poP), 25-Watt-Gr., 50-W-Gr.,
   75-W-Gr.). Mir wurde nur die Teilnahme bis einschl. 25-W-Gr.
   erlaubt, da ich die nächsten Übungen als blinder Teilnehmer
   nicht mitmachen könne. Trotz energischster Interventionen
   meinerseits wurde keinerlei Versuch zugelassen, hier konnte
   sich nicht einmal die Kliniksleitung gegen die Bereichsleiterin
   durchsetzen.

   - Auch war meine Frau, die ausdrücklich als Begleitung
   zugeordnet war und auch von der Beihilfe z.T. finanziert wurde,
   bei sämtlichen Übungen nicht erwünscht. So fehlte denn auch in
   Teilen eine angemessene Unterstützung – etwa bei der Ergo-
   therapie. Hier hätte meine Begleitung mir Drehzahlen, Puls-
   schlag usw. sagen können, was die Therapeutin bei 7-8 Teil-
   nehmerInnen kaum tun konnte.

   - Hingegen konnte ich den Therapeuten der Gruppe
   “Spaziergang” davon überzeugen, dass ich mit kleinen Tricks
   in seiner 50-Watt-Gruppe vollwertig mitmachen konnte – am
   Schluss äußerte er seine Freude über nützliche neue
   Erfahrungen.

   - Diese Umstände allein veranlassen mich, die Klinik für blinde
   Patienten als eingeschränkt geeignet zu beurteilen, wenn sich
   die Haltung dort nicht entscheidend ändert.


10. Gab es in der Klinik zusätzliche Serviceangebote für
       Menschen mit Behinderung? Z.B. Hilfe bei der
       Orientierung in der Klinik und im Kurort.


        Nein (vergl. Frage 7.).


11. Konnten Sie die Freizeitangebote der Klinik nutzen?

        Ja.


12. Wie verhält sich die Klinik gegenüber eventuellen
       Begleitpersonen? Kooperativ, was Unterbringung
       und Finanzierung anbelangt oder ablehnend, bzw.
       abweisend?


        Positiv (vergl. Frage 9.).


13. Falls Sie einen Blindenführhund haben, darf dieser
       mitgebracht werden? Wenn ja, entstehen zusätzliche
       Kosten? In welcher Höhe?


        Keine Erfahrung.


14. Falls Sie aufgrund Ihrer Hörbehinderung eine/n
       DolmetscherIn benötigen, entstehen für Sie
       zusätzliche Kosten? Wenn, in welcher Höhe?
       Wird eine Kostenübernahme von anderen Stellen
       übernommen?


        Keine Erfahrungen.


15. Waren alle Bereiche der Klinik für Sie trotz Ihrer
       Behinderung zugänglich und nutzbar? Wenn nein,
       welche Barrieren gab es?


        Ohne Begleitung sicherlich sehr eingeschränkt nutzbar,
        dafür ist eine solche Einrichtung zu weitläufig und erfordert
        ein Höchstmaß an Mobilität, die wegen des relativ kurzen
        Aufenthaltes und dessen Anlass nicht auch noch perfekti-
        oniert werden kann (z.B.: Aufzüge mit Sensortasten, auf den
        Fluren ist immer wieder mit überraschenden Hindernissen
        zu rechnen (Funktionswagen, andere bewegungseinge-
        schränkte Patienten ...).


16. Gibt es weitere Erfahrungen, die Sie anderen
       PatientInnen mit Behinderung mitteilen möchten?


        - Ich empfehle ein ausführliches Vorgespräch mit
        Sozialdienst, Therapeuten und evt. Kliniksleitung bzgl. der
        bevorstehenden Anwendungen und ihrer Durchführungs-
        möglichkeiten trotz Blindheit oder Sehbehinderung. Dabei
        sollte großer Wert darauf gelegt werden, dass vor dem
        Urteil, dies und jenes sei unmöglich oder undurchführbar, die
        eigene Erprobung durch den Patienten zu stehen hat.

        - Es sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass blinde
        und sehbehinderte Menschen bzgl. Mobilität und lebens-
        praktische Fertigkeiten Induvidien sind, Rückschlüsse von
        einer Person auf die andere also unzulässig sind.

        - Die personelle Betreuung war gut: freundlich, hilfsbereit.

        - Zur Gestaltung des Zimmers (Privatstation, Appartement-
        stil: Die Patientenzimmer der kardiologischen Station
        zeigen fensterseitig auf eine verkehrsreiche Durchgangs-
        straße bzw. zur Zufahrt für Lieferfahrzeuge + Aufenthalts-
        plätzen im Freien. Ruhe hat man demzufolge nur bei
        geschlossenen (schallisolierten) Fenstern. Bei sommerlicher
        Hitze, wie zur Zeit meines Aufenthaltes braucht man dann
        die vorhandene Klimaanlage, die den Raum allerdings
        rasch auskühlt (nur vorhanden in Privatstationen).

        - Der vorhandene Fernsehapparat kann nur über Laut-
        sprecher betrieben werden, bei 2- und Mehrbettzimmern
        äußerst lästig.

        - Die Zimmerausstattung war zufrieden stellend (Tisch, 2
        gepolsterte (Armlehn)-Stühle, Schreibtisch, ausreichend
        Schrankraum, Teppichboden, eigene Nasszelle.

 



Wir weisen darauf hin, dass die Ergebnisse unserer Befragung auf den subjektiven Erfahrungen von einzelnen BesucherInnen der entsprechenden Klinik beruhen. Die Antworten der TeilnehmerInnen an unserer Befragung wurden anonymisiert und ohne redaktionelle Bearbeitung veröffentlicht.

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